Reisen ist spannend und aufregend, bedeutet aber auch, die eigene Komfortzone zu verlassen. Das merkt man vor allem dann, wenn man ärztliche Hilfe oder auch nur ein Rezept für ein Medikament braucht ... Da versteht man den Spruch „Ohne Papier sind wir nichts“)
In Polen werden die meisten Medikamente nur auf Rezept verkauft, und das zu bekommen ist nicht immer einfach oder überhaupt möglich!
Wie bekommen Ukrainer in Polen ein E-Rezept?
Zunächst das Gute: Ein Rezept kann man online bekommen, ohne das Haus zu verlassen. Aber es gibt ein kleines ABER, nämlich Regeln, die sich nicht umgehen lassen ...
Vorteile des E-Rezepts:
- man bekommt es aus der Ferne, ohne Besuch im Krankenhaus
- das verschriebene Medikament kann in der Apotheke jeder abholen
- stehen mehrere Präparate oder Packungen auf dem Rezept, kann man sie mit demselben Rezept nach und nach einlösen
Für ein E-Rezept braucht man unbedingt eine PESEL
PESEL – das entspricht in der Ukraine der Steuer-Identifikationsnummer (IPN). Diese wichtige Nummer sollte im Grunde jeder bekommen, der sich länger als 1 Monat in Polen aufhält. Ohne PESEL bekommt man keine Arbeit, eröffnet kein Bankkonto und erhält kein Rezept für ein Medikament! Im Internet findet man leicht die Adressen, wo man in jeder Stadt Polens eine PESEL bekommt. Eventuell muss man anstehen, die Nummer selbst bekommt man aber gleich beim ersten Besuch. Für die PESEL braucht man den vollständigen Namen, eine polnische Telefonnummer und einen festen Wohnsitz.
Wie es weitergeht, hängt davon ab, ob man ein ukrainisches Rezept oder eine Patientenkarte mit Arztstempel und Verordnung hat oder nur das Medikament kaufen möchte. Im Internet und in sozialen Netzwerken wimmelt es von Werbung für Websites, über die man angeblich für 40–50 Złoty ein Rezept ohne jeden Nachweis kaufen kann. Stimmt das? Für uns blieb es ein Rätsel ... Auf keiner der Seiten gab es eine Adresse oder Telefonnummer. Nach dem Ausfüllen des Formulars und einer E-Mail passierte nichts ... So ging es bei 3–4 Seiten. Danach fanden wir eine Klinik, die E-Rezepte aus der Ferne ausstellt. In Polen ist das üblich. Man kommuniziert mit der Rezeption.
Ablauf: So bekommen Ausländer ein E-Rezept
- Kontakt zur Klinik online – per Chat / Anruf
- Wer ein ukrainisches Rezept oder einen gestempelten Auszug aus der Patientenkarte hat, schickt der Klinik ein Foto davon; dann wird man für 50 Złoty höchstwahrscheinlich ein entsprechendes Rezept bekommen
- Wenn man gar keine Unterlagen hat, wird man für eine „Teleporada“ (telefonische Arztberatung) eingetragen. Dafür werden vollständiger Name, polnische Telefonnummer, PESEL, die an die PESEL gebundene Meldeadresse samt Postleitzahl und die PESEL-Nummer selbst abgefragt. Man zahlt 150 Złoty und wird entweder sofort zurückgerufen oder bekommt einen genauen Anrufzeitpunkt genannt. Während des Telefonats muss man den Arzt im wahrsten Sinne des Wortes überzeugen, das Nötige zu verschreiben. Überzeugen heißt hier: beweisen ... dass man genau dieses Medikament braucht, Bitten helfen nicht.
- Nach der Entscheidung kommt auf das an die PESEL gebundene Handy eine SMS mit einem vierstelligen PIN-Code. In der Apotheke nennt man diesen PIN und die PESEL-Nummer, und schon bekommt man das heiß ersehnte Medikament)))
Lifehack: Das Absurde an der Teleporada ist, dass der PESEL-Inhaber und der Anrufer verschiedene Personen sein können. Mit anderen Worten: Wenn man keine PESEL hat, findet man jemanden, der sie einem zur Verfügung stellt, und bestellt das Rezept online ... Übereinstimmen muss nur das Geschlecht – männlich / weiblich.
Für ein E-Rezept in Polen empfehlen wir Ukrainern die Klinik in Warschau „ASTRAMED CENTRUM MEDYCZNY“, ihre Website ist astramed.igabinet.pl/b/. Dort antwortet man schnell auf Instagram und am Telefon, und die Verbindung zum Arzt gibt es noch am Tag der Anfrage. Das Rezept wurde per Teleporada erfolgreich aus der Ferne ausgestellt. Sehr praktisch: Die Rezeption und der Arzt sprechen Russisch.
Per Teleporada bekommt man nicht viele Medikamente, nur solche, bei denen die Beschreibung der Symptome ausreicht. Schmerzmittel kann man auf diesem Weg also bekommen. Spritzen kann man so nicht verschreiben lassen, da sie nur bei einem persönlichen Arztbesuch verordnet werden. Für Spritzen muss nämlich die Einrichtung angegeben werden, in der sie verabreicht werden ... Um überhaupt ein bestimmtes Rezept zu bekommen, sind Untersuchungen nötig, die der Arzt anordnet.
Auf den ersten Blick ist das System gut: Man kommt mit Beschwerden zum Arzt, er ordnet Untersuchungen an und verschreibt anhand der Ergebnisse Medikamente. Aber wie sieht es in der Praxis aus? Das Rezept gibt es für 1–2 Präparate, und zwar nur für jeweils 1 Packung! Wer also eine chronische Erkrankung hat, wird Stammgast beim Arzt. Jedes neue Rezept = 1 Packung = mindestens 50 Złoty ... rechnen Sie selbst. Und wenn man nicht nur eine Erkrankung hat, sondern zum Beispiel Kopf- und Bauchschmerzen, bittet man einen, mit diesen Problemen an verschiedenen Tagen zu kommen!!! Das Rezept setzt nämlich die Diagnose zu 1 Problem voraus, mit der Verschreibung von 1–2 Präparaten ... Ein völlig identisches System gibt es auch in Tschechien. Alles wäre gut, wenn alle Ärzte qualifiziert wären. In der Praxis liegt die Qualifikation tschechischer und polnischer Ärzte leider unterirdisch!!! Sie sind nur darauf aus, durch das Ausstellen von Rezepten zu verdienen. Das ist nicht nur unsere persönliche Erfahrung, sondern auch die von 4 Bekannten ... Jemand weiß, dass er Migräne hat, bittet um ein Migränemittel, und ihm wird gesagt, es seien Untersuchungen nötig!!! Dabei lässt sich Migräne nur anhand der Symptombeschreibung diagnostizieren. Jemand hat eine Darminfektion, und man sagt ihm nicht, welche, sondern verschreibt das Antibiotikum Biseptol. Ein Antibiotikum ohne Antibiogramm zu verschreiben ... Oder jemand bittet um ein Schmerzmittel für die Muskeln und erzählt, die Schmerzen kämen von unterschiedlich hohen Zähnen, und der Arzt sagt, der Biss könne die Muskeln nicht beeinflussen!!! Von welcher Qualifikation kann in auch nur einem dieser Fälle die Rede sein?
Das Beschriebene gilt, wenn man nicht unter vorübergehendem Schutz oder als Flüchtling registriert ist. Wer registriert ist, braucht von einer Teleporada nicht zu träumen, sondern muss zum Arzt gehen, wo er höchstwahrscheinlich eine kostenlose Beratung, Untersuchung und ein Rezept bekommt. In Tschechien hat sich jemand mit dem Status „vorübergehender Schutz“ um Hilfe an einen Arzt gewandt. Ja, er wurde kostenlos behandelt, aber nach dem Klinikbesuch kann man zur Medikamentenliste noch Baldriantropfen hinzufügen ...
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